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Der Schulleiter informiert
J Allgemeines
Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
das abgelaufene Schuljahr war am Otto-Schott-Gymnasium
geprägt von teils lebhaften Diskussionen über die weitere
Entwicklung unserer Schule. Diese Diskussionen werden
schon seit 2022 geführt, als im Rahmen der Feierlichkeiten
rund um unser Schuljubiläum die Gruppe „OSG2030“ gegründet wurde, die in den folgenden Jahren maßgeblich
den weiteren Verlauf unserer Schulentwicklung koordiniert
hat. Die Aufnahme in das Netzwerk „Schule der Zukunft“
hat es den Mitgliedern von „OSG2030“ ermöglicht, an Fortbildungen teilzunehmen, Schulen zu besuchen, die schon
einen konkreten Schulentwicklungsschwerpunkt erproben, oder sich mit anderen Lehrkräften zu vernetzen und
Erfahrungen auszutauschen. Aber auch den Dialoggruppen innerhalb der Schule sollte die Gelegenheit gegeben
werden, ihre Ideen zu äußern, wie sie sich unsere Schule
im Jahr 2030 vorstellen. Über dieses Thema hat das Kollegium im Rahmen eines Studientages diskutiert, unsere
Schülerinnen und Schüler haben sich sogar an mehreren
Zukunftstagen in Workshops unter Anleitung von Lehrkräften und Eltern damit auseinandergesetzt. Dabei stellte
sich als Schwerpunkt in beiden Gruppen deutlich heraus,
dass alle Beteiligten mehr Zeit in einem entschleunigten
Ganztag haben möchten, dass sie nicht nur unterrichten
und unterrichtet werden, sondern sich auch als Mensch
begegnen möchten. Aus der Forschung wissen wir, dass
eine solche Form der Zuwendung nicht nur die psychische Belastung von Schülerinnen und Schülern vermindert, sondern auch ihren Lernerfolg signifikant erhöht.
Zu Beginn des laufenden Schuljahres wurde eine Steuergruppe aus Mitgliedern von „OSG2030“ und des Schulleitungsteams gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht
hat, für dieses Ergebnis eine Organisationsform zu finden.
Am 19. Mai hat die Gesamtkonferenz unserer Schule mit
zwei Dritteln ihrer Mitglieder beschlossen, dass Lehrkräfte im Verlauf des Schultags Zeitfenster erhalten sollen, um
im Rahmen von Lernentwicklungsgesprächen mit Schülerinnen und Schülern über die individuellen Lernprozesse der Kinder und Jugendlichen zu reflektieren. Davon
erhoffen wir uns, dass sie Schülerinnen und Schüler noch
besser unterstützen können, sodass sie im Laufe dieses
Prozesses zu einer stärkeren und besseren Selbststeuerung ihres Lernens gelangen. Auf der Grundlage dieses
Prozesses sollen sie in den Lernzeiten nicht mehr vorgegebene Arbeitsaufgaben schematisch abarbeiten, sondern
gemäß ihren individuellen Lernbedarfen Themenfelder
ihres Unterrichts üben, wiederholen, vertiefen oder vorund nachbereiten. Für die Lernentwicklungsgespräche
sollen zehn Minuten einer Doppelstunde zur Verfügung
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stehen, die in Verbindung mit den bisherigen Pausen
und der KESS zu größeren Beratungszeiträumen genutzt
werden können und unseren Schultag entschleunigen.
Das neue Schuljahr soll dafür genutzt werden, unsere Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt an die neuen Lernentwicklungsgespräche und den neuen Schulalltag heranzuführen. Die Eltern werden noch im laufenden Schuljahr
durch ein Schreiben der Steuergruppe informiert. Zu Beginn des neuen Schuljahres wird es im Rahmen von Elternabenden die Möglichkeit geben, sich intensiver über das
Vorhaben auszutauschen. Und natürlich müssen wir gerade am Anfang sehr genau überprüfen, ob sich die von der
Schulgemeinschaft gewünschten Effekte in der Umsetzung
des Konzeptes auch einstellen, deshalb werden wir es von
Beginn an mit wissenschaftlicher Begleitung evaluieren.
Die Gesamtkonferenz hat sich in der Auseinandersetzung
mit den Herausforderungen, die durch eine nach der Zeit
der Corona-Pandemie deutlich veränderte Schülerschaft
bedingt sind, sehr verantwortlich gezeigt und den Mut
aufgebracht, neue Wege zu gehen. Dabei ist es nicht darum gegangen, diesen Weg einzuschlagen, nur weil er neu
ist, sondern weil eine große Mehrheit ihn für geeignet hält,
eine bessere Passung zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern und damit einen größeren Lernerfolg zu
erreichen. Dieser Weg soll über eine stärkere Individualisierung des Lernens führen, denn so könnte eine größere
Übernahme von Verantwortung für den eigenen Lernprozess bei den Kindern und Jugendlichen gelingen. Anregende Unterstützung haben wir bei diesen Überlegungen
durch die Arbeit in unserem Hochbegabtenzweig erhalten,
wo schon lange die Erfahrung gemacht wird, dass Schülerinnen und Schüler dann, wenn sie wissen, wie Lernen
funktioniert, ihr Lernverhalten mit Hilfe von Lehrkräften
diesen Erkenntnissen anpassen können. Es wird bei uns
also nicht das Lernen abgeschafft, die damit verbundenen Mühen können wir jungen Menschen leider nicht ersparen – wir können ihnen aber aufzeigen, wie sie dabei
ihre Potenziale besser nutzen und dadurch effektiver sein
können. Auch deshalb haben wir uns – anders als andere
„Schulen der Zukunft“ – nicht für den disruptiven Weg entschieden: Wir halten den Fächerunterricht nach den Vorgaben eines Stundenplans und den Unterricht gemeinsam
mit Gleichaltrigen im Klassenverband gerade unter den
Lebensbedingungen der Digitalisierung für unerlässlich.
Unser Kollegium hat die Diskussionen um die Einführung
des neuen Beratungssystems auf beeindruckend hohem Niveau und mit großem Respekt vor anderen Meinungen, vor
Bedenken oder gar Ängsten geführt. Viele Aspekte aus diesen Diskussionen sind in die Beschlussfassung eingeflossen.
Dennoch bleibt es eine wichtige Aufgabe, auch die Skeptiker von den angenommenen Vorzügen institutionalisierter
Lernentwicklungsgespräche zu überzeugen. Dazu sind wir
weiterhin auf konstruktive Kritik und respektvolle Auseinandersetzungen angewiesen, um in ehrlicher und offener
Form das Konzept während seiner praktischen Erprobung
den Realitäten unseres schulischen Lebens anzupassen.