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Gruppenfoto vor dem Beinhaus
Vertiefend setzten sich die Schülerinnen und Schüler damit auseinander, inwiefern das Saarland Schauplatz der
deutsch-französischen Geschichte gewesen ist. Besonders
interessant waren dabei die unterschiedlichen Aufgaben,
die nicht nur die wechselvolle Geschichte seit 1871 oder die
wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes in den Blick nahmen, sondern auch das Lothringer Platt oder aktuelle Themen wie die Frankreichstrategie des Saarlandes und den
grenzübergreifenden Kooperationsraums der Großregion
Saar-Lor-Lux-Rheinland-Pfalz-Wallonie.
Am nächsten Tag besuchte die deutsch-französische Gruppe Schauplätze des ersten Weltkriegs rund um Verdun:
zunächst einen rekonstruierten Schützengraben in Chattancourt, in dem die Lebensverhältnisse der Soldaten an
der Front sehr einprägsam vermittelt wurden, es folgte ein
Rundgang durch den Caures-Wald, in dem die „Hölle von
Verdun“ vor 110 Jahren begann, ein Ort des Gedenkens an
die Opfer der Schlacht, an dem man noch heute die Spuren des Krieges deutlich an der Beschaffenheit des Bodens
erkennen kann, und schließlich das Beinhaus von Douaumont, ein Mahnmal, das die nicht identifizierten Überreste
von über 130.000 Soldaten beherbergt und den Blick auf
einen nicht enden wollenden Soldatenfriedhof freigibt.
Dieser Ort steht aber auch für die deutsch-französische Versöhnung und Freundschaft, denn hier reichten sich am 22.
September 1984 die Staatschefs Helmut Kohl und François
Mitterand vor der ganzen Welt die Hand.
Bereits 1916 hatten sechs deutsche Soldaten mitten im
Ersten Weltkrieg in Fiquelmont nahe Verdun einen bewegenden Friedenswunsch verfasst: „Utopie und mögliches
Eden ist ein geeintes Europa, Freundschaft zwischen den
Völkern“. Sie hatten ihren handschriftlichen Appell in einer
Flasche versteckt und so ihre Hoffnung ausgedrückt, dass
künftige Generationen in Frieden leben könnten.
Ausgehend von den Eindrücken, die die deutschen und
französischen Schülerinnen und Schüler im Laufe der Woche gesammelt hatten, präsentierten sie zum Abschluss des
Seminars ihre eigene Antwort auf diese Nachricht aus dem
Jahr 1916, erzählten von ihrem heutigen Europa und wie sie
sich die Zukunft vorstellen.
Die Europäische Akademie Otzenhausen, bereits seit 1954
als deutsch-französische Begegnungsstätte geschaffen, hat
sich den Leitspruch „Europa entsteht durch Begegnung“ auf
die Fahne geschrieben. Das durften unsere Schülerinnen
Blick auf den Soldatenfriedhof
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