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lernen, genauer hinzuschauen? Auf dem Rundgang mit
Frau Brandstetter durch die Mainzer Neustadt haben wir
entdeckt, wie tief koloniale Geschichte in unserem Alltag
steckt: an Orten wie dem Zollhafen, dem Sömmeringplatz,
dem Logo einer Dachdeckerfirma und der Karillonstrasse.
In der anschließenden individuellen Vertiefung und Recherche entdeckten die Lernenden, warum es wichtig ist,
mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen, umzudenken und entwickelten neue Perspektiven: z. B. ein kurzes Video, Konzepte für Museen, Karikaturen etc. Ein besonderes
Highlight war das Gespräch mit Ibou Diop aus Berlin, Literaturwissenschaftler, Aktivist und Experte für postkoloniale
Erinnerungskultur. Er zeigt, warum koloniale Strukturen bis
heute wirken, wie junge Menschen Veränderung anstoßen
können und weshalb das Erzählen
anderer, oft überhörter Geschichten
so wichtig ist. Das von ihm im Oktober 2025 vorgestellte gesamtstädtische Erinnerungskonzept des Landes Berlin zeigt, wie man zusammen
mit verschiedenen zivilgesellschaftlichen AkteurInnen ein für die Zukunft inklusivere gesellschaftliche
Auseinandersetzung mit Geschichte
und kolonialem Erbe(n) und damit
eine gemeinsame ErinnerungskulKolonialismus erinnen
tur entwickeln kann.
Wir danken Herrn Diop sehr herzlich für das interessante Impulsreferat per Videokonferenz und seine Zeit im Anschluss
mit uns zu sprechen. In einem Planspiel wurden verschiedene Positionen in der Restitutionsdebatte erarbeitet und
diskutiert – dabei konnte man selbst erleben, dass es viele
verschiedene Argumente gibt und ein Diskutieren gar nicht
immer so leicht ist: Das Fazit war „Raubkunst aus kolonialem
Kontext zurückgeben!“.
Wenn man sich mit Nachhaltigkeit im Sport auseinandersetzt, stößt man auf zahlreiche Schlagzeilen, die viele Fragen aufwerfen: Was bedeutet Nachhaltigkeit im Sport? Vor
welchen Herausforderungen stehen große und Sportvereine in Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung? Wie kann
man Trikots und Fußbälle fair produzieren? Warum investiert Saudi-Arabien so viel in den Sport und wie ist die WM
in Katar in dieser Hinsicht zu bewerten? Kann der Sport zur
Überwindung von Rassismus beitragen? Mit solchen Fragen setzte sich die Gruppe am ersten Tag in spannenden
Workshops mit Judith Kunz von ELAN und einer Exkursion
zu Mainz 05 auseinander. Es heißt: „Sport verbindet“ – aber
ist das immer so? Was wird gegen Rassismus und Diskriminierung im Sport getan? Welche Rolle kann Sport bei der
Integration von Menschen in Deutschland spielen? Was
wird in diesem Bereich konkret in Mainz gemacht und wie
könnte ich mich selbst einbringen? Der zweite Tag hat sich
mit diesen Fragen in Kooperation mit dem Mädchensportverein Mainz mit der Unterstützung des Landessportbundes Rheinland-Pfalz beschäftigt.
Am Vormittag haben wir am Workshop „Fit für die Vielfalt“
in unserer Sporthalle teilgenommen und uns dort mit praktischen Übungen und Diskussionen die Rolle von Sport bei
der Integration bewusst gemacht. Am Nachmittag hatten
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wir die Möglichkeit in intensiven Austausch mit dem Mädchensportverein Mainz zu treten, die Mädchen in sozial
herausfordernden Räumen durch Sport stärken und ihnen
einen Safe Space geben möchten. Wir haben uns an diesem
Nachmittag zudem intensiv mit der Bedeutung des Ehrenamts beschäftigt und dabei selbst kreative Ideen für Ehrenämter entwickelt. Uns ist dabei noch stärker bewusst geworden, wie wichtig das Ehrenamt für unsere Gesellschaft
ist und wollen möglichst viele junge Menschen motivieren,
sich zu engagieren.
Klimawandel, Pandemie und Krieg haben dramatische Folgen für die Welternährung. Doch wie können wir es schaffen, dass alle Menschen weltweit Zugang zu guter, gesunder und nachhaltiger Ernährung haben? Mit dem Weltacker
Baustein von Elan hat Erik Dolch veranschaulicht, wieviel
Ackerfläche jedem Menschen weltweit zur Verfügung steht
und den Zusammenhang von Konsum und Flächenverbrauch und die Folgen für Umwelt und Klima veranschaulicht. Auch bei uns wird gutes Essen immer teurer – und
trotzdem landet viel davon im Müll. Wie passt das zusammen? Die SchülerInnen lernten Projekte in Mainz kennen,
die versuchen, Lebensmittel vor dem Wegwerfen zu bewahren. Sie haben beim gemeinsamen Kochen mit krumm und
schepp Lebensmittel gerettet und herausgefunden, wie sie
sich gesund, fair und nachhaltig ernähren können. Global
denken, lokal handeln: Wie kann ich bewusst einkaufen und
worauf muss ich achten, wenn ich Lebensmittelverschwendung vermeiden will?
Klima und Klimawandel – von Bestreitung, Anpassung, Forschung und Gegenmaßnahmen. Wissenschaftlich gesichertes erfuhren und entdeckten Lernende zum Thema Klima
zusammen mit
Dr. Franziska Teubler und Dr. Johanna Kranz vom Kompetenzzentrum Klimawandelfolgen RLP. Sie präsentierten
die beobachteten und prognostizierten Klimadaten für
RLP und zeigten, welchen Unterschied mehr oder weniger Klimaschutz haben dürfte. Auch lernten sie Probleme
der Klimakommunikation kennen und suchten selbst aus,
mögliche Klimaanpassungsprojekte, z.B. am OSG, zielgruppenorientiert und mit motivierendem Effekt vorzustellen.
Beim gemeinsamen Frühstück prüfte die Gruppe, wie groß
die CO2-Bilanz der verschiedenen Lebensmittel ist und welche ähnlichen Produkte klimafreundlicher sind. In einem
Experiment beobachteten sie, welchen Einfluss die Zusammensetzung der Atmosphäre auf den Wärmehaushalt der
Erde hat, und sahen, dass bei Erhöhung des CO2-Gehalts die
Infrarotstrahlung stärker absorbierte wird. In verschiedenen
Planspielen übernahmen sie die Perspektive verschiedener
(sozialer bzw. regionaler) Bevölkerungsgruppen und spürten die Folgen voranschreitender Klimaerwärmung auf verschiedene Erdteile und Wirtschaftsbereiche; sie testeten die
Folgen verschiedener Anpassungsstrategien und fanden
sich in spielerischen Verhandlungen, wie das alle treffende
Klimaproblem gemeinsam angegangen werden kann (Allmende- bzw. Trittbrettfahrerproblem).
Du bist, was du trägst? Der Themenworkshop zu Fast-Fashion versus Fair-Fashion schaute genauer hin: Immer mehr
Kleidung kommt aus Billiglohnländern zu uns. Hier werden