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Stolpersteine und Tontafeln
Recherche zu Stolpersteinen
Jede/r Schüler*in hat eine Scheibe Ton bekommen und wir
durften einen Spruch oder einen letzten Wunsch für eine
Person darauf schreiben. Es hat uns gefallen, dass wir auf
diese Art den ermordeten Menschen gedenken konnten
und dass wir die Täfelchen individuell gestalten durften.
Dies bot uns die Gelegenheit, sich individuell mit dem Thema „Die Zeit des Nationalsozialismus“ auseinanderzusetzen,
da man beim Gestalten in sich gehen konnte und nachdenken musste, was man einer Person, die man eigentlich nicht
persönlich kannte, als letzten Wunsch mitgeben könnte.
deren Schicksal erinnern, kam plötzlich ein älterer Herr aus
seinem Wohnhaus zu uns. Er erzählte uns, dass seine Großeltern die Nachbarn der Mays waren. Er gab uns noch eine
Kopie mit Informationen zu dem Schicksal der Familie.
Wir hoffen, dass wir mit unserer Aktion die Aufmerksamkeit
von einigen Spaziergängern auf die Stolpersteine lenken
konnten.
Riana Funke (9a)
Stolpersteine (II)
Es war eine sehr bewegende Exkursion. Ich wünsche mir,
dass auch andere Klassen die Stolpersteine in Gonsenheim
pflegen und sich mit dem Schicksal der Menschen auseinandersetzen. Ich nehme die Stolpersteine nun mit ganz anderen Augen wahr. Wenn mir künftig ein goldener Stein auf
dem Boden begegnet, werde ich lesen, wer hier gelebt hat
und werde an die Exkursion mit meinen Lehrerinnen und
der Klasse denken. Deshalb danke ich Frau Knopf und Frau
Zink, dass sie mit uns kurz vor den Weihnachtsferien durch
Gonsenheim gelaufen sind und diese Exkursion ermöglicht
haben.
Rayyan Badlane (9a)
Am Dienstag, dem 16.12.2025, begann unser Schultag, den
wir schon seit Wochen mit Frau Zink geplant hatten, anders
als ein gewöhnlicher Schultag. Viele von uns brachten Material mit, um Stolpersteine in Gonsenheim zu putzen. Meine
Aufgabe war es, Einmalhandschuhe mitzubringen.
Zeitzeugengespräch mit „Rosi aus Mainz“
Wir trafen uns zur ersten Stunde im Foyer. Es war recht kalt
an dem Tag, sodass uns das kurze Warten auf die Straßenbahn viel länger vorkam. Wir fuhren einige Stationen mit
der Straßenbahn Richtung Juxplatz. Von dort gingen wir zu
den ersten Stolpersteinen in der Friedrichstraße. Wir reinigten die Steine, dabei war die Stimmung sehr ruhig und bedächtig. Immer, wenn ein Stein gereinigt war, haben Riana
und Frau Knopf ein ruhiges hebräisches Lied auf der Querflöte gespielt. Durch diese Musik konnte man ein bisschen
fühlen, wie es den Menschen damals ging und wie es sich
angefühlt haben muss, verfolgt worden zu sein. Außerdem
haben wir kurz etwas zu der Biografie der Menschen gesagt, für die ein Stolperstein in den Boden gelegt worden
ist. Nachdem wir etwas über die verfolgten Menschen erfahren hatten, legten wir die Tontafeln, die wir in Kunst mit
Frau Hess angefertigt hatten, neben den gereinigten Stolperstein. In der Jahnstraße, wo Steine für die Familie May an
Die Klasse 9a hat im Zuge des Projektes „Erinnerungskultur
– Shoah und Stolpersteine“ mit ihr ein Interview führen dürfen. Dabei interessierten sich die Schüler*innen für Themen,
wie Rosi ihre Schulzeit und das Leben im Krieg wahrgenommen hat. Sie hat uns unsere Fragen offen und ehrlich beantwortet und zeigte uns gegenüber großes Interesse. Für
uns Schüler war es eine wunderbare Erfahrung, eine andere
Sicht auf das Thema zu bekommen, was man alleine durch
Schulbücher nicht lernen kann.
O S G - P O S T I L L E 2025/ 2026 · AU S G A B E 1 · JA N UA R 2026
Rosi aus Mainz ist eine über 90-jährige Zeitzeugin, die bereits zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs gelebt hat. Ihre Mutter wurde von den Nazis umgebracht.
Fazit: Das zweiwöchige Projekt mit Frau Zink hat mir sehr
gut gefallen. Mir gefiel, dass wir nicht nur im Geschichtsunterricht mit Frau Zink an den Themenfeldern weitergearbeitet haben, sondern auch in einigen anderen Fächern wie
Kunst, Mathe oder Deutsch. Uns wurde bewusster, worauf
diese besondere Art von Denkmälern aufmerksam machen
soll und was für starke Menschen und deren Geschichten
sich dahinter verbergen. Am besten hat mir das Zeitzeu-
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