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schen, bekamen frische Kleidung und sollten sich an einen
schön gedeckten Tisch setzen. Davon wurden dann Fotos
gemacht, die aber nichts mit der Wahrheit zu tun hatten.
Zum Schluss haben wir noch über das Buch „Der überaus
starke Willibald“ aus dem Deutschunterricht gesprochen
und überlegt, welche Parallelen es darin zur damaligen Zeit
gibt. Danach durften wir Comics zu den Themen „Freundschaft“ und „Zusammenhalt“ zeichnen. Es war ein sehr informativer, aber auch sehr bedrückender Ausflug. Wir haben
viel darüber gelernt, wohin Rassismus führen kann – und
dass so etwas niemals wieder passieren darf.
Maya Leib (6a)
J Erinnerungskultur –
Shoah und Stolpersteine
Pflege Stolpersteine
Geschichte hilft die Gegenwart zu begreifen und die Zukunft bewusst mitzugestalten. Diese Erfahrung konnten die
SchülerInnen der Klasse 9a in einem fächerübergreifenden
Projekt machen. Über einen Zeitraum von zwei Wochen
setzten sie sich mit Fragestellungen zur NS-Geschichte
auseinander, wobei sowohl ein starker lokaler Bezug – Stolpersteine in Gonsenheim – als auch aktuelle Bezüge zu
Themen wie Antisemitismus und Demokratie im Mittelpunkt standen. Das Projekt ermöglicht es, Zeit zu haben, zu
einem Thema intensiver zu arbeiten, auch über eine Fachstunde hinaus, selbst zu entdecken und zu recherchieren,
Zusammenhänge von Inhalten aus verschiedenen Fächern
zu erkennen, den Klassenraum zu verlassen und vor Ort zu
schauen, was Geschichte mit mir zu tun hat und wo ich ihr
heute im Alltag begegne. Wie die SchülerInnen das Projekt
erlebt haben und was sie aus dem Projekt mitgenommen
haben, berichten sie im Folgenden selbst.
Anne Zink
Stolpersteine (I)
Unscheinbar und doch so viel Bedeutung. Viele Leute gehen an ihnen vorbei, einige laufen über sie. Vielleicht fragt
hin und wieder ein kleines Kind seine Eltern, was es mit dem
„Gold“ im Boden auf sich hat. Vielleicht bleibt jemand stehen und liest, wer einst in diesem Haus gelebt hatte. Und
vielleicht fällt einigen Leuten jetzt auf, dass einige dieser
Stolpersteine in Gonsenheim nicht mehr von Schmutz
überzogen sind. Als ob sich eine gesamte Schulklasse darum gekümmert hätte, diese zu säubern.
Tatsächlich gibt es so eine Schulklasse. Wir, die Klasse 9a, beschäftigten uns in einem fächerübergreifenden Projekt sehr
mit den Themen Holocaust und Antisemitismus. Dabei interessierten wir uns vor allem, wie nah uns dieser Hass in der
Zeit der Nationalsozialisten war. Wir teilten uns in Gruppen
auf und fingen an, in Stationen über die Menschen zu recherchieren, die hier in Gonsenheim und in Rheinland-Pfalz
verfolgt und ermordet wurden. Auch über die Bedeutung
und Kritik von Stolpersteinen informierten wir uns, um die
bestmögliche Aktion zu planen, wie wir an die verfolgten
Menschen erinnern können. Das Putzen wurde somit ein
Teil von der Idee, die Stolpersteine wieder lesbar zu machen
und mehr Aufmerksamkeit zu erregen.
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Wieder bildeten wir Gruppen, die sich alle mit unterschiedlichen Aspekten zum Putzen von Stolpersteinen auseinandersetzten – welchen Reiniger man benutzen muss, ohne
die Oberfläche zu zerstören, welche Schwämme man benutzen muss, um keine Kratzer zu bekommen, darf man
Kerzen anzünden und diese dann stehen lassen? All das waren Fragen, mit denen wir uns beschäftigten. Auch welche
Route wir nehmen, um zu jedem Stolperstein zu gelangen,
war ein wichtiger Aspekt. Wir fuhren mit der Bahn und liefen dann die Stolpersteine ab. Während der Exkursion unterhielten wir uns über den Holocaust und wir versuchten
uns vorzustellen, wie es für verfolgte Menschen gewesen
sein musste. An diesem Tag war uns allen sehr kalt und der
Gedanke daran, dass unschuldige Menschen wegen ihres
Glaubens, Aussehens, wegen gleichgeschlechtlicher Liebe
und anderen für uns nicht nachvollziehbaren Gründen z. B.
in Leinenhemden bei solch einer Kälte und noch viel kälter
frieren mussten, erschütterte uns. Wir kamen ins Nachdenken, wie es so viel Hass geben kann und wie wichtig es ist,
jeden Menschen gleich zu behandeln. Was vorher so weit
weg erschien, so unwirklich diese Anzahl an Menschen die
verfolgt wurden, so erschütternd ist die Nähe.
Als Fazit kann man sagen, dass die fächerübergreifende
Arbeit sehr lehrreich und interessant war. Dadurch konnte
man sich gut in die Thematik einarbeiten und hat viele verschiedene Aspekte des Themas kennengelernt. Wir haben
gelernt, eigenständig zu arbeiten und uns als Klasse zu organisieren. Das Thema ging sehr nahe und so konnten wir
uns auch gut untereinander austauschen. So hat man nochmal andere Sichtweisen kennengelernt.
Lola Opalka (9a)
Das Projekt im Kunstunterricht
Im Rahmen des Projektes „Erinnerungskultur – Shoah und
Stolpersteine“ haben wir am 10.12.205 im Kunstunterricht
mit Frau Heß Gedenktafeln aus Ton hergestellt. Diese sollen
an die Menschen erinnern, für die in Gonsenheim ein Stolperstein in den Boden gelassen wurde.